Wanderfahrt auf der Mulde
13/07/2026
vom 05.07.-12.07.2026
Nach der üblichen Vorbesprechung und dem Bootsladetermin, starteten wir Sonntag in der Frühe mit 3 Fahrzeugen plus Bootshänger Richtung Osten. Die PKWs ohne Hänger waren schon um 14.00 Uhr vor Ort in Leisnig, und so erkundeten wir (Sigi, Kirsten, Reinhard, Annelie und meine Wenigkeit) bis zur Ankunft von Manuel, Christa und Rainer schon mal den Ort, der hoch über der Mulde liegt. Zielstrebig wurde auch sofort mit Hilfe von Google das wunderschöne “Cafe Friede & Lotte“ aufgesucht und so die Zeit angenehm überbrückt, bis das Gespann mit den Booten auch seine Ankunft meldete. Auf dem Rückweg zum Kanuverein hielten wir noch nach einem Restaurant für abends Ausschau, aber da war leider nichts Passendes für die Gruppe zu finden. Auf Empfehlung der Cafébesitzerin meldeten wir uns dann in der etwas außerhalb liegenden Leithenmühle an. Inzwischen war auch Martin mit seinem Faltboot auf dem Rücken per Bahn angekommen. Nun wurden zügig die Zelte aufgebaut und mit einigen Mitgliedern des dortigen Vereins die beste Einstiegsvariante in die Mulde für den nächsten Tag besprochen. Das Abendessen in der „Leithenmühle“ war ein voller Erfolg, alle waren hoch zufrieden mit Ihrer Wahl und den netten Gastleuten. Am nächsten Morgen begann das übliche „Gerödel“, bis jeder nach dem Frühstück im Bootshaus seine sieben Sachen wasserdicht verpackt hatte und wir zur Einstiegstelle aufbrechen konnten. Dort ging dann das „Gerödel“ von vorne los, denn jetzt musste ja das viele Gepäck in die Boote verstaut werden und Martin sein Faltboot aufbauen. Zeit, um Autos und den Hänger zurück zum Kanuverein zu bringen, wo sie sicher während unserer Abwesenheit geparkt werden konnten. Endlich ging es los, die Frage war nur: Ist genug Wasser in der relativ flachen Mulde? Da es dort aber die Tage zuvor ordentlich geregnet hatte, paddelten wir die nächsten Tage auf einer kleinen Flutwelle gut über all die vielen Stromschnellen mit immer einer Handbreit Wasser unterm Kiel hinweg. Einzig ein bisschen Regen am ersten Tag und ein heftiger Nordwind, der bis zum letzten Tag anhielt, forderten uns einiges ab.
Mittagspause war am Wasserschloss Podelwitz, wo wir uns gut vor einem Regenschauer unterstellen konnten. Trocken ging es dann weiter bis zum Ruderverein Grimma, unserer zweiten Übernach- tungsstelle, schön an der Mulde gelegen. Hier gab es wegen fehlender Duschen erst mal lange Gesichter, aber nachdem man uns erklärte, warum, waren doch alle mit den sauberen Toiletten und Waschbecken im Container und dem Schlauchanschluss im Freien zufrieden. Der Verein liegt im Überschwemmungsgebiet der Mulde (Jahrhunderthochwasser 2002) und darf deshalb nur den Container stellen, hat aber als Ausgleich noch ein Vereinsheim in Grimma gleich hinter einem riesigen Fluttor erhalten, dort hätte man auch warm duschen können. Das war uns dann aber doch zu umständlich. Der abendlichen Gang zum Essen führte uns dann über eine wunderschöne Brücke durch die gigantischen Fluttore an jenem Vereinsheim vorbei in die Innenstadt zu einem leckeren Italiener. Auf dem Rückweg konnten wir schon einen Blick auf die morgige Einstiegsstelle werfen, einen kleinen Sandstrand gleich hinter dem Wehr.
War hier der Einstieg noch problemlos, so forderte eine Stromschnelle direkt danach unsere ganze Aufmerksam- und Geschicklichkeit heraus. Nach einem Hänger mit Drehung meinerseits konnten wir dann ca. 10 km durch die wunderschöne Flusslandschaft an Steilufern vorbei mit vielen tierischen Begegnungen (Rehe, Seeadler, Seeuferschwalben, Eisvogel, Bienenfresser) bis zum Wehr paddeln. Das war dann doch eine ordentliche Herausforderung, die aber mit dem Einsatz von Bootswagen, allen verfügbaren Händen und an der Wiedereinstiegstelle befestigtem Feuerwehrschlauch super gelöst wurde. Direkt vor dem nächsten Wehr, war dann auch schon das heutige Ziel beim Verein Lokomotive Wurzen, Abtlg. Kanu, erreicht. Zum Platz etwas oberhalb der Mulde kamen die Bootswagen noch einmal zum Einsatz. Dann erstmal wieder lange Gesichter: nur ein WC-Container ohne Duschen. Und die Mulde, sehr flach an dieser Stelle, bot sich auch nicht zum Baden an. Aber nach einigem Nachfragen beim Platzwart wurde uns die nicht so repräsentative Vereinsdusche in der hintersten Ecke der Bootshalle samt Boiler für Warmwasser freigegeben. Besser als nichts! Auf dem Weg zum gemeinsamen Abendessen in Wurzen konnten wir tatsächlich noch original funktionierende DDR- Straßenlaternen bewundern. Rechtzeitig vor einem heftigen Regenschauer waren wir nach einem sehr leckeren asiatischem Buffett und einem kleinen Stadtbummel zurück in den Zelten.
Am nächsten Morgen ging es nach dem üblichen „Gerödel“ (Zeltabbau, Boote laden, Platz und Küche aufräumen) wieder ab auf die Mulde, wo wir heute kein Wehr zu um tragen aber dafür wieder mit diesem strammen Nordwind zu kämpfen hatten, der uns allen zu schaffen machte. Nach einem Picknick im Windschatten auf einer von Kamillenblüten bedeckten Kiesbank ging es weiter bis zum Abzweig in den wunderschön mäandernden schattigen Mühlengraben, der uns nach 8 km zu unserem Ziel beim Ruderverein Eilenburg führte. Das war nun nach den etwas spartanischen Plätzen zuvor der reine Luxus. Zeltwiese, Duschen getrennt für Damen und Herren, eine kleine, feine Miniküche für Übernachtungsgäste und direkt eine Einladung zum Vereinsabend mit gemeinsamem Essen am nächsten Tag. Frisch geduscht ging es nach dem Zeltaufbau auf der Suche nach einem Abendessen geradewegs in die nahegelegene Innenstadt. Wir wurden schon beim ersten Lokal im „Leipziger Tor“ fündig, da allen die ausgehängte Speisekarte gefiel. Neben einer sehr netten, freundlichen Bedienung wurden wir auch vom Essen nicht enttäuscht. Ein gelungener Ausklang dieses anstrengenden, aber sehr schönen Tages. Da die Bedingungen hier so perfekt waren, beschlossen wir spontan, Eilenburg für den Rest der Fahrt als Standquartier zu nutzen und unsere weiteren Touren von hier aus zu organisieren.
Der Donnerstag war für die einen Ruhetag, für die Fahrer hieß es, Autos aus Leisnig nachholen, und Martin mit seinem Faltboot wollte noch seine Resturlaubstage auf der Elbe verbringen und verabschiedete sich von uns. Jeder konnte heute auf seine Art den Tag mit Burgbergbesichtigung, Zoobesuch, Bummeln, Einkaufen oder Relaxen verbringen. Der Zoo lag genau gegenüber vom Vereinsgelände und wir wurden jeden Morgen gegen 6.30 Uhr von den dort lebenden Eseln mit lautem, freudigem “Iah“ geweckt. Jedes Paradies hat halt seine Schattenseiten. Der Vereinsabend bei den Ruderfreunden Eilenburg findet jede Woche statt, und immer kochen zwei Damen aus dem Verein für alle nach Anmeldung zwei Gerichte zur Auswahl. Wir durften zwischen Hähnchenschnitzel mit Champignonsoße oder Frikadellen mit Zwiebelsoße wählen, beides war lecker. Bei frischgezapftem Bier gab es nette Gespräche mit den teils älteren Vereinsmitgliedern, und Rainer, dessen Großeltern in Eilenburg lebten, konnte in Erinnerungen schwelgen.
Für den nächsten Tag nahmen wir die Strecke von Bad Düben bis zum Muldestausee in Angriff. Nach dem Transport der Boote mit dem Hänger zur Einstiegstelle fuhren die Autos gleich zur Ausstiegsstelle vor. Die Paddelstrecke war auch wieder sehr abwechslungsreich mit Sandbänken und Steiluferbereichen. Nur der anschließende Stausee war nicht so ansprechend, sehr flach, völlig zugewuchert und die Ufer fast vollständig mit Schilf bewachsen. Also beschlossen wir spontan, am letzten Tag nochmal, weil er so idyllisch war, eine gemütliche Tour durch den Mühlengraben zu machen. Für das Abendessen steuerten wir wegen des guten Essens wieder das „Leipziger Tor“ an und wurden nicht enttäuscht. Ein Absacker am Bootshaus, begleitet von den Eselrufen, beendete den gelungenen Tag.
Am frühen Morgen löste ich, weil wider Erwarten die Alarmanlage des Vereinsheims aktiviert war, zu meinem großen Entsetzen die selbige aus. Die Sirene heulte, alle kamen entsetzt aus den Zelten gekrochen, der komplette Tierpark reagierte mit Schreien und Geschnatter, die Hölle war los. Nach endlosen 10 Minuten hörte der ganze Lärm dann von alleine auf. Nach etlichen Telefonaten mit dem Bootshauswart war die Lage dann geklärt und wir konnten etwas verspätet wieder alle Räumlichkeiten nutzen und die von Rainer in dem Chaos geholten Brötchen mit dem sehnsüchtig erwarteten Kaffee genießen. Das alles hatte unseren Zeitplan etwas nach hinten verschoben, aber wir hatten ja eh nur die kurze Strecke im Mühlengraben auf dem Plan. Mit zwei Autos und Hänger wurde dann eine passende Einstiegsstelle für die Tour gesucht, was gar nicht so einfach war. Nach einigem Hin und Her fanden wir dann auch eine. Hier wurden wieder Seile und immer zwei Personen im Wasser stehend für einen sicheren Einstieg gebraucht. Aber alles klappte, trotz einer leicht alkoholisierten Zuschauergruppe, die dort Ihre erste Paddelrast machte. Endlich konnten wir nach den vielen Aufregungen wieder in den wunderschönen Mühlengraben einbiegen und die wunderbare Ruhe und Idylle genießen, wir hatten ja keinen Zeitdruck, und erschöpft waren wir auch noch nicht. Eine reine Genusstour, bis wir fast vor dem Ziel nochmal eine Partypaddelgruppe überholten. Das waren dann aber, bis auf einen Vater mit Sohn und Boot zwei Tage zuvor, die einzigen Begegnungen auf der Mulde. Zurück gegen 15.00 Uhr am Platz, war der Plan, Sigi, Manuel und ich holen die Autos und bringen was zum Kaffeetrinken mit, der Rest macht die Boote fertig zum Laden für die morgige Heimfahrt. Das mit dem Kaffeetrinken dauerte dann leider wegen eines Feldbrandes etwas länger, da der Rauch desselben uns den Rückweg versperrte. Wir mussten einen gehörigen Umweg zurück in Kauf nehmen und kamen etwas erschöpft und genervt gegen 17.00 Uhr zurück. Dafür waren alle Boote sauber und verladefertig, der Kaffeetisch gedeckt und alles wieder im Lot. Dieser sehr ereignisreiche Tag fand beim Italiener am Marktplatz ein angenehmes Ende.
Wegen des heißen Wetters brachen wir am nächsten Morgen bereits um neun Uhr zur Heimreise auf, sodass am frühen Nachmittag die Boote am Bootshaus abgeladen werden konnten. Eine tolle Fahrt! Vielen Dank an Manuel für die Organisation.
Text/Bilder: H.Bock
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