DSW12 DARMSTADT
Wassersport
Unsere Chronik
Die Chronik der Wassersportabteilung
Das Bootshaus unserer Wassersportabteilung liegt am Stockstadt-Erfelder Altrhein, 1 km flussabwärts von Erfelden. Die häufig auftretenden Hochwasser konnten ihm bisher nichts anhaben, denn es liegt auf einem Kieshügel (im Volksmund Kieshüwel genannt), den der Rhein in früheren Zeiten vor der Rheinbegradigung 1829 aufgeschüttet hat. Der im Jahr 1962 offiziell eingeweihte Bau um fasst ein zweigeschossiges Clubhaus mit 957 m² umbautem Raum und vorgelagerter Terrasse. Im Erdgeschoss befinden sich ein 45 m² großer Aufenthaltsraum, eine Küche und je zwei Umkleide- und Duschräume, im Obergeschoss 5 Schlafräume mit insgesamt 36 Betten und das so genannte Sitzungszimmer. Dieses findet heute allerdings nur noch als Abstellraum Verwendung.
Die Schlafräume sind nicht heizbar und entsprechen mit ihrem primitiven Mobiliar sicher nicht mehr heutigen Anforderungen. Die Heizungen für den Aufenthaltsraum und für die Duschräume werden durch eine Propangasanlage betrieben. Auch der Küchenherd kocht mit Gas. An der Rückwand des Clubhauses sind zwei Bootshallen angebaut, in denen der Club die eigenen Ruderboote und die beiden Großkanadier untergebracht hat. Für Privatboote und vereinseigene Paddelboote stehen gegenüber noch zwei weitere ältere Holzhallen zur Verfügung. Zum Altrhein und dem gegenüber liegenden Kühkopf hin erstreckt sich vor dem Clubhaus ein ausgedehntes Wiesengelände, das gerne zum Lagern in der Sonne oder zu Ballspielen genutzt wird. Über dieses Wiesengelände gelangt man hinunter zum Anlegesteg, auf dem Boote unterschiedlichster Bauart zu Wasser gebracht werden. Der DSW ist nämlich in der beneidenswerten Lage, Ruder-, Paddel-, Kanadier- und Wildwasser-Boote anbieten zu können. Die meisten Wassersportvereine betreiben nur eine Wassersportart. Man wird mit Fug und Recht sagen können, dass der DSW mit seinem Bootshaus am Altrhein ein Schmuckstück besitzt, das mit seiner Lage am Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue, mit der Beschaulichkeit und Ruhe, abseits vom Großstadtlärm, einzigartig ist. Nur, wer sich mit dem Werdegang der Wassersportabteilung beschäftigt hat, kann ermessen, welche ungeheuren Anstrengungen, welcher Idealismus, welche Opferbereitschaft, welche grandiosen Eigeninitiativen nötig waren, bis sich aus den primitiven Anfängen am Altrhein im 1. Weltkrieg der Verein entwickelte, wie er sich uns heute bietet. Mehrere Generationen von Menschen sind gekommen und gegangen.
Der Geist, der von jeher den „Altrheiner“ beflügelt hat, diese Stätte zu erhalten und zu gestalten, lässt sich nicht treffender darstellen als mit der Präambel zur 1. Bilderchronik der Abteilung:
„Diese Chronik soll das Spiegelbild von Menschen und Geschehnissen sein, die waren, sind und sein werden. Sie soll nicht zur Verherrlichung von Zeiten dienen, die mitunter gar nicht so herrlich waren. In der Erinnerung bleiben sollen die Menschen und auch die Stätten, die von der Gründung bis zum heutigen Tag den Charakter der Abteilung bestimmen. Auch der unbefangene Beschauer soll etwas spüren von der Freude an der Schönheit der Natur, der Liebe zum Wassersport und der frohen Geselligkeit, die allen Freunden des Altrheins gemeinsam ist.“

Schwieriger Beginn
Die neu gegründete Rudersportabteilung hatte von Beginn mit immensen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Weg von dem 17 km entfernten Darmstadt zum Kieshüwel war nicht frei zugänglich. Das Gebiet von Erfelden bis hin nach Griesheim war nach dem Weltkrieg französisch besetzt, und die Ruderer konnten nur auf Schleichwegen die Stätte ihres Sports aufsuchen. In seinen Erinnerungen schreibt Carlo von Toussaint: „Wir ließen uns nicht entmutigen. Das Kriegsende mit der Besetzung des ganzen Gebietes bis Griesheim und später der passive Widerstand, der alle Zugverbindungen lahmlegte, konnten uns nicht hindern, an den Wochenenden an den Alt-Rhein zu gehen. Drei Stunden und länger pirschten wir durch den Wald, damit uns die Franzosen nicht erwischten, um an das Bootshaus zu kommen.“
Einen ganz erheblichen Aufschwung erlebte dann die Ruderabteilung durch Dr. Karl Friedrich. Er hatte im Jahr 1916 als Vorsitzender die Geschicke des Gesamtclubs übernommen und erwarb sich bleibende Verdienste um den Schwimmsport in Darmstadt. Er war aber auch ein großer Naturfreund und begeisterter Wassersportler. Im Jahr 1923 kaufte er zusammen mit Clubmitglied Frau Müller-Wiemer ein Häuschen, das auf dem gleichen Gelände wie die Bootshalle stand und das ursprünglich der erwähnten Ziegelei gehört hatte. Dieses Haus schenkten seine Besitzer einige Zeit später der Ruderabteilung. Die Inneneinrichtung war mehr als einfach, aber immerhin bestand die Möglichkeit dort zu übernachten, und man war glücklich über das eigene Heim.
Man kann sich heute nicht vorstellen, unter welchen schwierigen Voraussetzungen sich das zarte Pflänzchen Ruderabteilung allmählich entwickelte, trotz der denkbar schlechten Zeiten. Als Spätfolge des 1. Weltkrieges brach im Jahre 1923 eine Hyperinflation über Deutschland herein. Das Wenige, was man aus dem Krieg hinübergerettet hatte, ging nun endgültig verloren. Millionen von Arbeitslosen waren die Folge. Durch die französische Rheinlandbesetzung, die auch rechtsrheinisch Brückenköpfe besetzt hielt, endete das Deutsche Reich praktisch vor den Toren Darmstadts. Geld war natürlich Mangelware. Auf dem Kieshüwel musste alles improvisiert und in Eigeninitiative Haus, Bootshalle und Bootspark verbessert werden. In den Sitzungsprotokollen ist zu lesen, dass in jener Zeit das Thema Auflösung der Abteilung oder Weitermachen wie ein roter Faden immer wieder die Vorstandssitzungen beherrschte
Mitte der 20 er Jahre
konsolidierte sich die Lage. Das Bootshausgelände konnte endlich ohne Schwierigkeiten erreicht werden. Die Abteilung bekam starken Zulauf durch neue Mitglieder, die Rennsport betreiben wollten. Viele begeisterten sich auch für das Wanderrudern und Wanderpaddeln.
1924 setzte unter Werner Böttinger und Heinz Zacheiß ein reges Rudertraining ein. Letzterer legte als Bootswart und später als Abteilungsvorsitzender den Grundstein für die sportliche und organisatorische Tätigkeit der Abteilung. Sein Tod im Jahre 1928 durch einen Motorradunfall war für den Club ein Schock, der lange nachwirkte.
Bereits 1925 wurden die ersten Regatten besucht. Durch Anschaffung von neuen Booten, teilweise auch selbst gebauten, reichten die vorhandenen Bootsplätze nicht mehr aus. Im Jahr 1928 kaufte die Abteilung eine auf dem Griesheimer Flugplatz nicht mehr benötigte Holzhalle und stellte sie in Eigenregie auf dem Kieshüwel auf. Diese Halle, die einst dem Flugpionier August Euler als Hangar diente, steht heute noch. In ihr lagern Privatboote der Mitglieder und vereinseigene Plastikboote.
Die Abteilung beteiligte sich nun regelmäßig an Regatten des Mittelrheinischen Regattaverbandes. In diese Zeit fällt auch, dass nunmehr auch Kanuten Mitglied werden konnten. Sie machten bald mehr von sich reden als die Ruderer. Laurin Müller und Paul Fasler waren die Asse jener Zeit. Sie errangen auf den Kanu-Regatten sowohl im Einerkajak als auch gemeinsam im Zweierkajak „Zack“, einem Eigenbau von Paul Fasler, viele schöne Erfolge.
Die Wassersportabteilung in der Nazizeit
1936 schien das trotz chronischer Geldknappheit mit Idealismus und Improvisation Geschaffene den Mitgliedern aus den Händen gerissen zu werden. Mit der von den braunen Machthabern verfügten „Gleichschaltung“ der Vereine mussten sich Aufstellen der großen Halle 1928 diese auflösen und dem Dachverband TSG 46 unterstellen. Der Name dieses Verbandes wurde später in GfL umgewandelt (Gemeinschaft für Leibesübungen).
Die Wassersportabteilung des DSC JD hatte alle Paddelboote an diesen Dachverband auszuliefern und behielt nur noch die Ruderboote. Im Juli 1936 errang die Abteilung in zwangsweiser Renngemeinschaft mit der TSG 46 unter dem Namen DRL (Deutscher Reichsbund für Leibesübungen Ortsgruppe Darmstadt) bei den deutschen Meisterschaften in Berlin/Grünau im Zehnerkanadier die Silbermedaille. Es war der großartigste Erfolg aller Zeiten für die Abteilung. Die Mannschaftskanadier wurden in jenen Jahren noch mit 10 Mann und 1 Steuermann gefahren. Aus dieser Zeit stammt der Begriff „Zehner“, den wir heute noch irrtümlich bei unseren beiden Großkanadiern verwenden, obwohl es doch eigentlich Neuner sind. Das Boot hatte Paul Fasler, ein genialer Holzbildhauer, in Leichtbauweise hergestellt und es war daher – wie Teilnehmer Max Thomas schrieb – „überaus startschnell“.
In gewagter Aufmüpfigkeit artikulierte der Club im Februar 1936 mit einer inszenierten „Beerdigung des Clubs“ seinen Unmut über den Verlust der Selbstständigkeit. In einer erhalten gebliebenen Notiz von damals ist zu lesen:
Liebe Klubkameraden!
Die Beerdigung des Clubs findet am kommenden Donnerstag abds. 8 ½ Uhr (pünktl.) im Hannibal statt.Erscheinen in schwarzer Kleidung und als Herr im Zylinder wird dringend darum gebeten.
Für die Trauergemeinde
i. A. (Unterschrift unleserlich)
Die Chronik berichtet: „Sie (die Beerdigung) endete morgens um 5 Uhr im „Maxim“ (einer bekannten Nachtbar in Darmstadt). Die Feier wurde zum Stadtgespräch. Der Löwe brüllte, aber er fraß uns nicht“. Mit „Löwe“ war der NS-Sportdezernent und Leiter des Sportdachverbandes Ministerialrat Löwer gemeint.

Unser Club als solcher hatte nun aufgehört zu existieren.
Auf dem Kieshüwel konnte nur noch Rudersport betrieben werden, aber dennoch bewahrten sich die Mitglieder ein gewisses Maß an Eigenständigkeit. Bruno Wisnewski, langjähriger Abteilungsleiter in der Nachkriegszeit, hat die Geschehnisse in den Jahren 1936 bis 1945 noch selbst erlebt. Er schreibt in seinem Beitrag „Unser Altrhein“:
„Es gelang seinerzeit durch geschicktes Verhandeln, die Ruderabteilung zwar in die TSG überzuführen, sie jedoch in ihrer vollen Selbstständigkeit zu belassen. Wir waren nun ein Teil eines anderen Vereins, jedoch am Altrhein änderte sich nichts. Vielleicht war gerade in jener Zeit das Zusammengehörigkeitsgefühl stärker denn je. Wir fühlten uns praktisch als selbstständiger Club und handelten danach. Wir bauten unser Clubhaus völlig um aus eigenen Mitteln. Der Rennsport wurde wesentlich aktiviert und führte zu schönen Erfolgen. Wir kamen zu neuen Booten und unsere gesamten Anlagen waren ein Schmuckstück am Altrhein. Der Hannibal in Darmstadt war nach wie vor die Stätte des „Ausgleichssports“, und wir blieben trotz aller sanften und unsanften Ermahnungen von oben, uns der neuen Zeit anzupassen, eben doch der „Club.“
Abteilungsleiter in jener Zeit war Otto Petry. Seinem Taktieren und seinem Verhandlungsgeschick war hauptsächlich die Sonderstellung zu verdanken, die anderen Vereinen nicht zuteilwurde.

Unter dem neuen Namen
lief der Sport am Kieshüwel weiter. Es gelang immer wieder, von der GfL Unterstützung zu bekommen. So konnte 1938 ein Renngigachter erstanden werden. Er ist das einzige Vorkriegsboot, das heute noch existiert und auch noch gefahren wird. Schöne sportliche Erfolge wurden erzielt und große Wanderfahrten unternommen. Die Ruderabteilung mit Carl Herber, Bruno Wisnewski, Otto Petry, Adolf Schäfer und Gustav Krauth war der erste deutsche Verein, der vor dem 2.Weltkrieg die oberitalienischen Seen in ganzer Länge in einem geliehenen Rennvierer befuhr. Auf Wanderfahrten nach Budapest, auf dem Neuchateler See, in Trier auf der Mosel, in Heilbronn am Neckar und in Berlin vertraten die Mannschaften nicht die GfL, sondern ihren Club.
Noch größere Fahrten waren in Planung: Rhone, Donau und finnische Seen. Aber mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges war mit einem Schlag alles vorbei. Es kam der totale Krieg. Viele Clubmitglieder verloren an der Front oder bei Bombenangriffen ihr Leben. Im Spätsommer 1943 traf eine verirrte Brandbombe „unser Häuschen“. Es brannte bis auf die Grundmauern nieder. Die Bootshallen blieben glücklicherweise verschont.
Noch während des Krieges wurden innerhalb der Abteilung 3.000 Reichsmark für den Wiederaufbau gesammelt. Diese Summe hätte für die Wiederherstellung nicht gereicht. Sie zeugt aber davon, welche Bedeutung Altrhein und Clubhaus für die Mitglieder hatten, die sich mit dieser Stätte ein Stück Heimat, Ruhe, sportliche Kameradschaft und unbeschwerte Geselligkeit erhalten wollten.
Die in der Region Darmstadt Verbliebenen waren während des Krieges an den Wochenenden unentwegt zum Kieshüwel gefahren. Viele Fronturlauber verbrachten einen Teil ihrer Ferien am Altrhein, ja sogar Hochzeitsreisen von damals geschlossenen „Clubehen“ hatten zum Altrhein geführt, wo man vom Krieg kaum etwas verspürte. Ein Jahr nach der Zerstörung erreichte die Clubgemeinde eine schier unglaubliche Nachricht.
Das Clubhaus war wieder aufgebaut! Das Landratsamt Groß-Gerau hatte den Wiederaufbau veranlasst und auch finanziert, allerdings ohne Dachgeschoss und damit ohne Schlafräume. Sicherlich wollte man damit nicht das Clubleben aktivieren. Vielmehr ist zu vermuten, dass Wohnraum geschaffen werden sollte, um den durch die verheerenden Bombenangriffe auf Darmstadt, Groß-Gerau und Königstätten entstandenen Wohnraummangel zu lindern. Im Chaos der letzten Kriegstage kam es allerdings zu keiner Belegung mehr.

Die Nachkriegszeit
Nach Beendigung des Krieges zog Bruno Wisnewski traurige Bilanz:
„Eine große Zahl unserer Mitglieder gefallen, weitere vermisst, verwundet oder noch in Gefangenschaft. Unser Haus zwar aufgebaut, jedoch von einer Erfelder Familie bewohnt und damit für uns nicht zugänglich, die Bootshallen stark beschädigt, die Spinde erbrochen, das Inventar geplündert und fast alle Boote verschleppt.“
Doch gleich nach Kriegsende fanden wieder viele den Weg zum Altrhein. Sie waren froh, dem fast nur noch aus Ruinen bestehenden Darmstadt, wenigstens für ein paar Stunden, entfliehen zu können. Was sie am Altrhein vorfanden, war nicht gerade ermutigend. Das Wohnhaus nicht zugänglich. Das Betreten der zwei Bootshallen verboten, da das gesamte Clubvermögen unter Vermögenskontrolle der amerikanischen Besatzung stand. So mancher wollte, als der volle Umfang der Schäden festgestellt wurde, resignieren. Doch jetzt zeigten sich der sprichwörtliche Idealismus und die Tatkraft der Gemeinschaft. Mit primitivsten Mitteln wurde geflickt und geordnet. Ein kleiner Raum in der Bootshalle diente als provisorische Unterkunft. Und von diesem Raum aus begann der Wiederaufbau.
Dieser konnte nur in Angriff genommen werden, wenn die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen waren. Der einzige von der Besatzungsmacht zugelassene Sportverein war der SV 98 Darmstadt. Um den vereinslosen Altrheinern den Neuanfang zu ermöglichen, gründete der SV 98 unter ihrem verständnisvollen Vorsitzenden Karl Grünewald eine Wassersportabteilung.
So konnte 1946/47 die Anlage am Kieshüwel, abgesehen vom Wohnhaus, wieder in Besitz genommen und der Sportbetrieb aufgenommen werden. Dies ging Hand in Hand mit dem Wiederaufbau und Ausbau der alten Bootshalle und der Instandsetzung der wenigen noch brauchbaren Boote, die ausnahmslos zahlreiche Durchschüsse von Gewehr- und Pistolenkugeln aufwiesen.

Wiederaufnahme des Rennsports
Noch als Abteilung des SV 98 formten J. Stuckert und L. Christmann in kurzer Zeit eine überaus schlagkräftige Kanu-Rennmannschaft. Dies wurde möglich, weil in jener Zeit eine große Zahl von jungen Menschen den Weg zum Altrhein fand. Schon 1948 belegte die Abteilung in der Punktewertung des Hessischen Kanuverbandes den ersten Platz!
Im folgenden Jahr 1949 erfolgte die Wiedergründung des Clubs unter dem neuen Namen DSW ‘12. Es waren die Ruderer, die unter der tatkräftigen Führung Ludwig Faslers die Initiative ergriffen. Zu Beginn des Jahres 1949 konnte der alte Club unter dem neuen Namen wieder ins Leben gerufen werden. Als Vorsitzender des Gesamtclubs wurde Ludwig Fasler gewählt. Er verstarb leider kurz nach seiner Ernennung im Jahr 1951. Vom SV 98 schieden die Wassersportler im besten Einvernehmen und voller Dankbarkeit.
Die Erfolgsserie der Kanuten setzte sich fort. Sechs von insgesamt 11 Landesmeisterschaften errang der DSW im Gründungsjahr. Auch das Jahr 1950 brachte dem DSW viele sportliche Erfolge. In den neuen Booten „Darmstädter Heiner“ (Viererkajak) und „Paul Fasler“ (Zweierkajak) wurden mehrere Landesmeisterschaften gewonnen. Herausragende Athleten waren Rainer Thyen und Rudel Müller. Einer Damenmannschaft gelang es im K4 Hessenmeister zu werden.
Am Ende der Saison stand wiederum der DSW mit 1.490 Punkten vor Mainz/Kastel mit 761 Punkten und Wiesbaden mit 476 Punkten als bester hessischer Kanuverein fest. Leider löste sich die so erfolgreiche Wettkampfmannschaft im Jahr 1951 auf. Die Gründe waren berufliche Verpflichtungen mehrerer Mitglieder und Vereinswechsel anderer Mitglieder zur TSG 46. Zwar wurde in den kommenden Jahren weiterhin Kanurennsport betrieben, aber nicht mit dem Erfolg der Vorjahre, sieht man einmal von der K2 Mannschaft Harder/Haas ab, die 1954 Sieger bei den süddeutschen Jugendmeisterschaften wurde.
Beim Anrudern und Anpaddeln im Frühjahr 1954 nahm die Abteilung den bei der Werft Dinewitzer in Wiesbaden gebauten Großkanadier „Kieshüwel“ in Besitz.
Auf unzähligen Wanderfahrten auf Rhein, Main, Neckar, Lahn, Mosel wurde er zum Mutterschiff, geschätzt auch von Familien mit kleinen Kindern, da diese in ihm gefahrlos mitgenommen werden konnten. Nach ca. 50 Jahren treuen Diensten musste das Boot schließlich abgewrackt werden. Aber sein Riss war so genial, seine Schnelligkeit so legendär, sein Gewicht vergleichsweise so gering, dass die Abteilung gleich zwei Boote dieses Typs („Kieshüwel II“ im Jahr 1997 und „Schwarzer Milan“ im Jahr 2007) bei einer Wiener Werft nachbauen ließ. Clubmitglied Matthias Förster hatte die Maße fachmännisch am Boot abgemessen, in den Computer übertragen und an die Werft weitergegeben. Indem er eine höhere Bordwand einplante, sind diese neuen Boote dem alten Typ bei hohem Wellengang sogar überlegen.
Der Aufbau einer Ruderwettkampfmannschaft begann 1951. Im Juni 1953 errang die Mannschaft Albrecht, Langsdorf, Keller, Glumann, Steuermann Rodemer im Jugendvierer in Offenbach den ersten DSW-Sieg nach dem Krieg. Mit welchem Aufwand war dieser Sieg erkämpft! Das Boot „Langer Ludwig“ musste am Tag vor der Regatta von Erfelden nach Offenbach gerudert werden und eine Woche später wieder zurückgeholt werden. Die „alten“ Herren wollten nicht nachstehen und errangen mit der Mannschaft Carl Herber, Paul Heß, Erich Kuhnt, Fritz Lehr und Steuermann Franz Rathgeber eine Woche später in Karlsruhe bereits den zweiten DSW-Sieg. Äußerst erfolgreich verlief die Regattasaison 1954. Der DSW blieb mit seinem Schülervierer ungeschlagen und errang fünf Siege. Die Mannschaften wurden wahlweise aus den Aktiven W. Glumann, W. Kunack, J. Ott, G. Keller, W. Eckstein, H. Steudle, F. Glumann und Steuermann (Stm.) G. Albrecht gebildet.

Im Frühjahr 1955 taufte Else Nohl in einer feierlichen Zeremonie einen neuen Rennvierer auf den Namen „Darmstadt“ und Elisabeth Wisnewski einen K2 auf den Namen „Milan“. Die Mittel zum Ankauf beider Boote wurden fast ausschließlich aus Spenden der Mitglieder bestritten.
1956 errang die Mannschaft Kunack, Ott, Langsdorf, F. Glumann mit Stm. E. Buresch (Spitzname „Schlappohr“) mit dem neuen Rennvierer auf der Regat- Buresch (Spitzname „Schlappohr“) mit dem neuen Rennvierer auf der Regatta in Hanau zwei Siege. Auf der Aschaffenburger Herbstregatta war der DSW mit verschiedenen Mannschaften der erfolgreichste Verein. Bei vier Starts erzielte er drei 1. und einen 2. Platz.
Der 1957 neu formierte Vierer Kunack, Ott, Langsdorf, Sattler und Stm. Heinz Schäfer siegte auf den Regatten in Gießen, Karlsruhe, Frankfurt und Koblenz. Bruno Wisnewski kommentierte in der Clubzeitung:
„Als wohl einer der kleinsten Renn-Rudervereine der Bundesrepublik können wir mehr als zufrieden sein.“
Weniger erfolgreich waren Kunack/Ott mit Stm. Heinz Schäfer im Riemenzweier. Mit ihrem Boot „Purzel“, das von Vater Ott, dem Chef der Habra-Druckerei, gestiftet worden war, hatten sie das Pech, dass sie ausgerechnet bei jeder Regatta auf die Silbermedaillengewinner der olympischen Spiele in Melbourne v. Groddeck/Arndt aus Wiesbaden trafen und von diesen immer wieder um „Ackerlängen“ geschlagen wurden. Zudem stellte sich bei späteren Schleppversuchen heraus, dass dieses Boot einen so ungünstigen Formwiderstand hatte, dass es bei gleichem Kraftaufwand schon drei Bootslängen langsamer als andere Boote war. Im September 1957 gab es schon wieder eine Bootstaufe. Ein von der Stadt Darmstadt gestifteter C-Gigvierer wurde auf den Namen „Datterich“ getauft. Dieses clubeigene Jugendrennboot wurde dringend benötigt, weil bis dato die Jugend immer in Leihbooten starten musste und damit von vornherein benachteiligt war.
Hatte Bruno Wisnewski Ende 1957 in der Presse noch euphorisch geschwärmt, dass der DSW 1958 an der deutschen Meisterschaft teilnehmen wolle, so schien es im Frühling 1958, als ob es in diesem Jahr überhaupt keine Regattapläne geben könnte. Der erfolgreiche Seniorvierer des vergangenen Jahres hatte sich aufgelöst. Bei den Jungruderern konnte keine Mannschaft zusammengestellt werden, die erfolgreich an Regatten hätte teilnehmen können. Einzig Rüdiger Sattler im Skiff bestritt noch Rennen. Bei der ersten Regatta in Trier gelang ihm im Endlauf ein zweiter Platz, in Heidelberg und Würzburg konnte er bereits seine ersten beiden Siege verbuchen. Bei den folgenden Regatten landete er allerdings nur auf den Plätzen.

Das neue Bootshaus
Im letzten Jahrzehnt war die Mitgliederzahl rapide gestiegen. Der schon in den Anfängen der Abteilung gehegte Traum von einem neuen Haus, der immer wieder verschoben werden musste, nahm gegen Ende der 50er Jahre Gestalt an. Die Notwendigkeit nach größeren Räumen und vor allem Schlafgelegenheiten wurde dringend. An dem alten Häuschen nagte im wahrsten Sinne des Wortes der Zahn der Zeit. Große Investitionen rentierten sich nicht mehr. Die ganze Anlage mit den desolaten sanitären Verhältnissen konnte man nur als primitiv bezeichnen. Die einzige Wasserzapfstelle stand im Vorgarten und musste mit einer Handpumpe betrieben werden. An dieser Pumpe war eine Dusche angebracht, natürlich nur mit kaltem Wasser. Hinter dem Haus war das Plumpsklo, dessen Geruch nicht gerade angenehm war. Ein urgemütlicher Raum allerdings war der Tagesraum in Gestalt einer altdeutschen Stube mit Holzvertäfelung, Holzschnitzereien und an den Wänden entlanglaufenden Bänken. Im Nebenraum war ein kleinerer Raum, das sog. „Blaue Zimmer“. Für alle Mitglieder der Abteilung war selbstverständlich, dass der Bau des Clubheims am Woog absolute Priorität zu haben hatte. Neubaupläne am Altrhein wurden bis zur Fertigstellung des Clubheims am Woog 1955 zurückgestellt. Für die Wassersportabteilung wurde übrigens darin ein eigenes Ruderbecken eingebaut.
Abteilungsleiter Bruno Wisnewski drängte beim Gesamtclub darauf, nun auch am Altrhein ein neues, zeitgemäßeres Bootshaus zu errichten. Er fand in dem damaligen Gesamtclubvorsitzenden Karl Wilhelm Leyerzapf einen warmherzigen Befürworter. Die Zeitumstände waren günstig, denn es standen genügend Fördergelder zur Verfügung. Nach einem Entwurf von Clubmitglied Adolf Schäfer und der baugerechten Ausfertigung durch den Darmstädter Architekten Dr. Samesreuther (der auch die Böllenfalltorhalle konzipiert hat) wurde der Bau im Jahre 1960 begonnen. Zuvor war das alte Haus durch das THW abgerissen worden. Im Jahr 1962 erfolgte die Einweihung des Neubaus. In dankbarer Erinnerung an den Pionier der Gründerjahre erhielt es den Namen „Dr. Karl-Friedrich-Haus“. Bruno Wisnewski opferte als vom Vorstand beauftragter Bauleiter unglaublich viel Zeit und Idealismus bei der Planung und Vorbereitung, bei Besprechungen, Sitzungen, Telefonaten und Ortsbesichtigungen. Dafür schuldet der Club ihm heute noch Dank! Dies betrifft nicht nur seine großartigen Leistungen bei der Planung und dem Bau des neuen Hauses, sondern auch die Art und Weise neuen Hauses, wie er das Amt des Abteilungsleiters mit Augenmaß und Tatkraft von 1951 bis 1963 gestaltete.

1958 überließ er seine Amtstätigkeit für ein Jahr Adolf Fleck. Für seinen geliebten Altrhein war Bruno Wisnewski bereit, alles zu opfern. Seine Verbundenheit mit dem Altrhein hat er einmal so beschrieben:
„Jeder Altrheiner kennt das wunderschöne Gefühl, bei Sonne und leichtem Wind auf dem Wasser zu sein, dieses Gefühl des Losgelöstseins von allem Schweren und diese Verbundenheit mit der Natur. Man muss das selbst erleben, wenn man an den Wochenenden mit Ablegen der Alltagskleidung ein anderer Mensch wird. Und diese Freude am Leben, die einen dort überkommt, ist wohl die Ursache – und wird es auch immer bleiben –, dass man am Altrhein schon seit alters her Feste feiert, wie man sie eben nur dort feiern kann. Seien es die traditionellen Feuerzangenbowlen, seien es die untersblum-Oppenheim- und Rheingaufahrten, sie werden, so lange Teilnehmer am Leben sind, immer Gegenstand fröhlichster Erinnerung bleiben, und sie werden immer wieder die Neuen anregen, das Gleiche zu tun.“
Danke Bruno! Man kann es nicht schöner sagen!
Die sechziger Jahre
Auf sportlichem Sektor tat sich in der Zwischenzeit wenig, sieht man einmal von dem von G. Keller trainierten Jugendvierer mit J. Fiedler, K.-H. Nothnagel, W. Becker, H. Schäfer und Stm. K. Keller ab, der in Hanau im Jahr 1960 beim ersten Start Sieger wurde und in der Folgezeit etliche 2. Plätze belegte.
Im Jahr 1961 siegten D. Mees, K.-H.Nothnagel, W. Becker, H. Schäfer u. Stm. K. Keller im Jugendvierer und G. Schaffner im Einer in Kitzingen. Es hatte sich auch wieder eine Kanu-Rennmannschaft unter Bruno Germann gebildet. Aber für Inge Keller, Günther Blechschmidt, Udo Seng, Kurt Germann und Ulrich Becker war die Konkurrenz zu stark. Größere Erfolge stellten sich nicht ein. Im Jahr 1963 übernahm Frank Glumann das Amt des Abteilungsvorsitzenden. Bruno Wisnewski engagierte sich von 1967 bis 1970 als Vorsitzender des Gesamtclubs. Unter den Trainern Karl Lange (Jugend) und Frank Glumann (Senioren) nahm der DSW 1964 wieder an Regatten teil. In Offenbach siegte in der Anfängergruppe der Jugendgigvierer des DSW mit Fleck, Lotz, H.-J. Lange, K. Keller und Stm. Ziegler. Aber weder im Achter noch im Vierer konnte die Jugend in dieser Saison einen weiteren Erfolg verbuchen. Die Senioren D. Giese, G. Schaffner, W. Becker, H.-J. Schäfer und Stm. J. Weil (Spitzname Waffelohr) kamen im Rennvierer zunächst nur schwer in Fahrt. Im Laufe der Saison wurden die Platzierungen nach und nach besser, bis auf der Regatta in Offenbach-Bürgel der Knoten platzte. Die Mannschaft brachte von dieser Regatta gleich drei Siege nach Hause. So beflügelt, errang die Mannschaft vierzehn Tage später bei der Kaiserregatta in Bad Ems in Renngemeinschaft mit zwei Koblenzer Rudervereinen im Juniorachter den nächsten Sieg. Bei der Einladungsregatta in Troyes, aus Anlass des 100-jährigen Bestehens des dortigen Rudervereins SNT (Societé Nautique Troyenne), belegte der DSW hinter dem amtierenden Vizeweltmeister 1964 von Luzern, der Renngemeinschaft Chambery/Troyes, im Vierer m. Stm. unter acht Mannschaften einen ehrenvollen 2. Platz.
Im darauffolgenden Jahr machte eine Delegation der SNT einen Gegenbesuch beim DSW, und die Gattin des Vorsitzenden, Madame Bourgeois, taufte beim Kieshüwelfest einen neuen Renndoppelzweier auf den Namen „Troyes“. In dieser Saison wiederholte sich das altbekannte Dilemma. Die erfolgreiche Vierermannschaft fiel auseinander. Die neu gebildete Mannschaft mit H.-J. Lange, K. Bröllos, G. Schaffner, H. Schäfer und Stm. J. Ziegler war im Vierer nicht erfolgreich, konnte aber in Renngemeinschaft mit den zwei Rudervereinen aus Koblenz in Schweinfurt und in Bad Ems jeweils einen zweiten Platz erringen. Heinz Schäfer und Gerhard Schaffner starteten auch im Doppelzweier und erreichten als beste Platzierung einen Sieg in Hanau.
Im Jahr 1966 stand wieder nur noch eine Rumpfmannschaft zur Verfügung. H. Schäfer im Skiff und H. Schäfer/W. Becker im Doppelzweier erzielten viele 2. Plätze, aber zu einem Sieg lange es nicht.
Im Jahr 1967 stellte Frank Glumann sein Amt als Abteilungsvorsitzender zur Verfügung. Sein Nachfolger wurde Aribert Heinrich. Er führte die Abteilung mit Behutsamkeit und Umsicht in den nächsten 5 Jahren weiter. Zu seinem Kummer konnten über mehrere Jahre keine Aktiven zum Rennsport verpflichtet werden. Andererseits besserte sich die ständig klamme Finanzsituation der Abteilung, weil keine Wettkampfkosten zu bestreiten waren.
Im September 1970 feierte die Abteilung ihr 50-jähriges Bestehen mit einem großen Fest am Bootshaus und taufte drei aus Abteilungsmitteln angeschaffte Boote: Ein Gig-Doppelzweier erhielt den Namen „Heinz Zacheiss“, ein teilbarer Siebener-Kanadier den Namen „Laurin“. Ein Jugendskiff wurde „L“ (für „Learning“) getauft. Die Familie Krauth taufte ihr Privatboot auf den Namen „Illusion“.
Die erfolgreiche Jugendmannschaft um Heinz Schäfer
Hinwendung zum Breitensport
In der Abteilung fing man an, sich Gedanken zu machen, welchen Sinn es macht, Wettkampf zu betreiben.
In den vergangenen Jahrzehnten war immer wieder unter großen Anstrengungen und finanziellen Belastungen versucht worden, neue Mannschaften aufzubauen, die dann zur großen Enttäuschung der Verantwortlichen bald auseinanderfielen.
Anfang 1977 bilanzierte Abteilungsleiter U. Becker die Lage:
„Kritisch gesehen werden muss in der Abteilung die Entwicklung im Wettkampfsport. Mit nur einem errungenen Sieg auf einer Regatta und dem „Einfrieren“ der rennsportlichen Tätigkeit ist hier wohl ein Tiefpunkt eingetreten. Man fragt sich natürlich, warum? Gewiss, der Trainer der Junioren ist im Laufe des Sommers durch Krankheit ausgefallen, und alle Bemühungen, einen Ersatz zu finden, scheiterten. Doch die eigentlichen Ursachen für den Niedergang des Leistungssports in unserer Abteilung sind vielfältigerer Art und deuteten sich schon lange an.
Die relativ kleine Abteilung tat sich schon immer schwer, einen ordnungsgemäßen Rennbetrieb zu finanzieren (hochwertige Rennboote, Trainerbegleitboot, Transport zum Training und zu Regatten, Meldegebühren, Reparatur und Unterhaltung des Bootsmaterials). Hinzu kommt, dass gerade im Rudersport die Anforderungen in den letzten Jahren stark gestiegen sind. Wer nur im regionalen Bereich während der Regattasaison erfolgreich sein will, muss nach Abschluss eines regelmäßigen und intensiven Wintertrainings (wöchentlich 3x Konditionstraining und 2x Waldlauf) in der warmen Jahreszeit mindestens 5x wöchentlich aufs Wasser; hinzu kommen noch die Starts auf Regatten. Die bei einem solchen Trainingsbetrieb anfallenden Fahrtkosten zur 20 km entfernten Trainingsstätte kann die Abteilung nicht aufbringen.
Nicht zuletzt müssen die Bedingungen, unter denen bei uns Leistungssport betrieben werden kann, aus der Sicht des Aktiven (meist Schüler) gesehen werden. Welchem Jugendlichen kann angesichts der überall erhöhten Leistungsanforderungen noch zugemutet werden, fast täglich bis zu 5 Stunden für den Sport aufzuwenden? Der hohe Zeitaufwand ergibt sich aus der großen Entfernung zur Trainingsstätte mit Busfahrt nach Erfelden, umkleiden, Training, duschen, Rückfahrt nach Darmstadt. Manche Aktiven kommen erst gegen 21 Uhr nach Hause. Wer kann dann noch etwas für Schule oder Studium tun? Kann es weiterhin Ziel der Abteilung sein Wettkampfsport in dieser extremen Form zu fördern?“
Bei der Mitgliederversammlung 1977 erklärte sich A. Heinrich bereit, erneut den Vorsitz der Abteilung zu übernehmen.
U. Becker hatte verzichtet, weil er sportlich aktiv bleiben wollte und übernahm das Amt des Kanuwarts. Seine Tätigkeiten wurden im darauffolgenden Jahr noch um das neu geschaffene Amt des sportlichen Leiters erweitert. Neben Fahrten im Flachwasser plante er immer wieder interessante Wildwasserfahrten. In dieser Legislaturperiode, mit A. Heinrich als Vorsitzendem, erfolgte die Wende vom Leistungs- zum Breitensport. Der DSW nahm nicht mehr an Regatten teil. Stattdessen wurden breitensportliche Angebote entwickelt und umgesetzt.
So erfand U. Becker den jährlich auszutragenden „Fünfkampf“, bei dem ein 600 m Lauf in max. 30 min, 15 km Radfahren in max. 50 min, 400 m Schwimmen in max. 20 min, 8 km Rudern im Skiff in max. 70 min und 8 km Paddeln in max. 80 min zu absolvieren waren. Diese Vielseitigkeitsprüfung war sicherlich in Deutschland einzigartig. Wer schafft schon diese 5 Disziplinen, wenn er nicht gerade Mitglied beim DSW ist?
Beim Kieshüwelfest 1980 erfuhr Bruno Wisnewski eine posthume Ehrung, als ein neuer Gig-Doppeldreier auf seinen Namen getauft wurde.
Das Jahr 1982 begann mit einem erfreulichen Ereignis. Der neue Bootssteg konnte in Betrieb genommen werden. Bei der Endmontage der schweren Einzelteile waren 30 Mitglieder beteiligt!
1984 verließ die Ruderriege der TH die Wassersportabteilung und kehrte zum RC Neptun zurück.
Im April 1986 initiierte der DSW unter Beteiligung der anderen Vereine am Altrhein einen Bootekorso mit 80 Booten und 150 Ruderern und Paddlern in der Kandel. Er protestierte damit gegen die Ansiedlung von Motorbooten in dieser Kandel durch den Yachtclub Darmstadt. Es sei unsinnig, dass ausgerechnet hier, im Bereich des Naturschutzgebietes Kühkopf- Knoblochsaue, eine Motorbootflut genehmigt wurde und verlangte nach anderen Lösungen.
Der von Aribert Heinrich angerufene Petitionsausschuss des Landes Hessen nahm bei einer Ortsbesichtigung wohlwollend die DSW Argumente zur Kenntnis. Dennoch wurde der Einspruch von ihm „aus rechtlichen Gründen“ abgelehnt!?
Im Frühjahr 1990 übergab A. Heinrich sein Amt an Lothar Steingässer. Für seine Verdienste um die Wassersportabteilung ernannte die Mitgliederversammlung A. Heinrich zum Ehrenvorsitzenden.
In der kurzen Amtszeit des neuen Abteilungsleiters wurden bei den Vorstandssitzungen lange Diskussionen geführt, wie man mit der Ansiedlung des Yachtclubs Darmstadt in der Kandel umzugehen habe. Bei der Frage, ob der Zufahrtsweg zum Kieshüwel für Kfz gesperrt werden sollte, gab es kontroverse Meinungen. Letztlich blieb der Weg dann doch frei zugänglich.

1992 übernahm Annemarie Hartmann
den Vorsitz. Sie führte die Wassersportabteilung zwölf Jahre und bewältigte erfolgreich die Vorstandsarbeit, obwohl sie gleichzeitig ihren schwer kranken Mann zu betreuen hatte. Im Jahr 2004 löste sie der derzeit amtierende Heinz Schäfer im Clubvorsitz ab. In all den Jahren, in denen der Club Breitensport betrieb, waren alle Verantwortlichen bestrebt, ein möglichst breit gefächertes Angebot zur sportlichen Betätigung auf die Beine zu stellen.
Dies ist sicherlich nicht zuletzt ein Verdienst der jeweils berufenen sportlichen Leiter U. Becker, Markus Haas und Werner Ihl, unterstützt von den Übungsleitern Matthias Förster, Clementine Kraus, Renée Escosura und Frank Weiß.
In der Jahresstatistik konnte die Gesamtanzahl der geruderten und gepaddelten Kilometer von Jahr zu Jahr gesteigert werden.
Waren es Mitte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts noch knapp über 20.000 km, so konnten 2009 mehr als 39.000 km verbucht werden. Neun Mitglieder kamen auf über 1.000 km Einzelleistung im Jahr.
Das Traumziel, die Kilometerzahl, die einer Erdumrundung entspricht (40.075 km), wird sicher auch bald erreicht. Der alljährlich erstellte Veranstaltungskalender enthält mehrtägige Ruder-, Paddel- und Wildwasserfahrten, aber auch gesellige Veranstaltungen wie die Feuerzangenbowle, Herbst- und Winterwanderungen, Adventskaffee, Bilder der Saison zum Jahresabschluss und nicht zu vergessen das alljährliche „Kieshüwelfest“ im Sommer mit Bootstaufen und Bootsauffahrt in den Großkanadiern in wechselnden Kostümen.

Es würde den Rahmen dieser Chronik sprengen, wolle man alle Großfahrten der letzten Jahrzehnte hier aufzählen. Beispielhaft seien genannt:
- die Frankreichfahrten 1967 und 1968,
- die Paddelfahrt Ostern 1967 auf der Moldau noch vor dem Prager Frühling
- zusammen mit tschechischen Paddelfreunden,
- die drei Fahrten von Erfelden nach Holland 1962 im Kanadier und 1991 und 1996 in Kleinbooten,
- mehrere Fahrten an die Mecklenburger Seenplatte, nach Schleswig-Holstein auf die Schlei, die Eider und die Treene,
- mehrere Herbstfahrten an die Oberitalienischen Seen,
- eine Umrundung Elbas im Sommer 1994,
- mehrere Fahrten auf der Elbe,
- die beliebten Pfingstfahrten auf Rhein, Lahn, Mosel, oder Neckar,
- die von Reinhard Henke und seiner Frau Hildegard 2007 so vorzüglich geführte Hollandfahrt im Labyrinth der nordholländischen Wasserwege,
- die Bodenseeumrundungen 2003 und 2011,
- die alljährliche Abschlussfahrt Erfelden – Boppard über 110 km
Absolute Highlights waren:
- die Teilnahme 1997, 1999, 2002, 2004, 2005, 2007 und 2011 an der Vogalonga in Venedig,
- die Befahrung des Yukon in Kanada 2009
- die Befahrung des Paranás in Argentinien im Herbst 2006.


Text: Walter Becker


